Am 01. Juli 2026 veranstalten die Freiwilligenagentur Geeste und die Wohnberatung des Landkreises Emsland einen Vortrag zum Thema zukunftsorientiertes Wohnen für alle Generationen. Wir haben vorab mit Kerstin Knoll vom Seniorenstützpunkt des Landkreises Emsland gesprochen, die den Abend inhaltlich mitgestaltet.
Ab 50 handeln, nicht erst im Notfall
Frau Knoll, wann ist der richtige Zeitpunkt, das eigene Zuhause fürs Alter fit zu machen, und warum warten die meisten Menschen zu lange?
„Der richtige Zeitpunkt heißt: frühzeitig handeln. Bereits im mittleren Alter, also zwischen 50 und 60 Jahren, sollte man die Barrierefreiheit der eigenen vier Wände prüfen. Viele blenden das Thema aus, solange sie sich persönlich nicht betroffen fühlen. Hinzu kommen fehlende Informationen über Risiken wie Sturzgefahr oder Mobilitätseinschränkungen sowie eine gewisse Angst vor hohen Umbaukosten. Präventive Beratung kann diese Ängste nehmen und schafft die Grundlage, sich gut auf die Zukunft vorzubereiten.“
Was sind die häufigsten baulichen Schwachstellen, die Ihnen in der Wohnberatung immer wieder begegnen?
„Treppen ohne zweites Geländer oder mit zu steilen Stufen sind ein Klassiker. Dazu kommen schmale Türen, vor allem im Bad mit weniger als 80 Zentimetern Durchgang, die weder Rollator noch Rollstuhl Platz lassen. Badezimmer ohne rutschfeste Böden, fehlende Haltegriffe und Duschwannen mit hohem Einstieg sind ebenso häufig wie Teppiche und Badematten als Stolperfallen. Oft wird auch die Beleuchtung unterschätzt: zu dunkel tagsüber, keine Bewegungsmelder nachts, und Schwellen an Türrahmen von Haustür bis Balkon tun ihr Übriges.“
Großer Nutzen, überschaubare Kosten
Welche Umbaumaßnahmen bringen den größten Mehrwert und sind gleichzeitig erschwinglich?
„Haltegriffe in Bad und WC kosten wenig und retten im Zweifel vor dem Sturz. Antirutsch-Bodenbeläge sind ebenfalls günstig und erhöhen die Sicherheit spürbar. Die Badewanne gegen eine bodengleiche Dusche zu tauschen ist etwas aufwendiger, aber ein echter Gewinn für die Barrierefreiheit. Türbreiten auf mindestens 80 bis 90 Zentimeter anzupassen ermöglicht später die Nutzung von Rollstuhl oder Rollator. Bewegungsmelder kombiniert mit LED-Beleuchtung sind günstig, helfen bei der nächtlichen Orientierung und sparen Energie. Auch das Nachrüsten von Treppengeländern ist mit überschaubarem Budget möglich.“
Gibt es Fördermittel für altersgerechtes Wohnen, und wie kommen Hausbesitzer im Emsland daran?
„Ja, die gibt es. Der Bund fördert altersgerechten Umbau über die KfW mit einem Zuschuss von 10 Prozent der Investitionssumme, maximal 25.000 Euro, direkt online unter www.kfw.de/455-B. Wer bereits einen Pflegegrad hat, kann zusätzlich bis zu 4.180 Euro für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen über die Pflegekasse beantragen.“
Was sollten junge Familien beim Neubau heute schon einplanen, um später nicht teuer nachzurüsten?
„Der Grundriss entscheidet über vieles: breite Türrahmen ab 90 Zentimetern, ebenerdige Durchgänge, ein großzügiges Gäste-WC mit Dusche im Erdgeschoss und ein zusätzliches Zimmer unten, das später als Schlafzimmer dienen kann. Sanitär- und Elektroanschlüsse sollten so gelegt werden, dass sich ein Dusch-WC, Notrufanlagen, Smart-Home-Technik und Bewegungsmelder später problemlos nachrüsten lassen. Energieeffizienz und Barrierefreiheit lassen sich beim Neubau gut zusammendenken. Wer sein Haus als Lebenszyklushaus plant, verteilt die Kosten auf verschiedene Lebensphasen.“
Die Gemeinde als Teil der Lösung
Welche Rolle spielt das soziale Umfeld beim Thema Wohnen im Alter, und was kann eine Gemeinde wie Geeste dazu beitragen?
„Barrierefrei wohnen reicht nicht, wenn unterstützende Initiativen fehlen. Geeste geht hier mit der Freiwilligenagentur seit Jahren voran. Es gibt Nachbarschaftsnetzwerke für Besorgungs- und Begleitdienste, Fahrdienste, Mittagstische, Repair-Cafés und Unterstützung im Umgang mit digitalen Geräten. Die Wohnberatung bietet seit Jahren monatliche Sprechstunden im Rathaus Dalum an, die Freiwilligenagentur betreibt Seniorentreffs, und monatlich ist auch die Pflegeberatung Emsland Care vor Ort. Das ist ein Netzwerk, das trägt.“
Was ist Ihre wichtigste Botschaft an alle, die am 01. Juli zum Vortrag kommen?
„Rechtzeitig den Blick in die Zukunft werfen, am besten bereits ab 50 Jahren, gerne auch schon beim ersten Bauplanentwurf eines Neubaus. Eine kostenfreie Wohnberatung hilft dabei, Schwachstellen zu erkennen und gezielt zu handeln. Die Kernbotschaft ist einfach: Früh handeln, verfügbare Förderungen nutzen und langfristig im gewohnten Umfeld wohnen bleiben.“
Der Vortrag „Wie renoviere ich mein Haus vorbereitend fürs Alter?“ findet am Dienstag, 01. Juli 2026, ab 18:00 Uhr im Geester Ratssaal statt. Der Eintritt ist frei. Hans-Jürgen Rosennow, ehrenamtlicher Wohnberater für Geeste, wird ebenfalls einen Part übernehmen. Er hält monatlich die Wohnberatersprechstunde im Rathaus Dalum ab.
Einen weiteren Termin gibt es bereits in Planung: Am 28. September 2026 lädt der Landkreis Emsland zum Fachtag „Innovatives Wohnen“ in Hagen’s Hotel in Haren (Ems) ein, von 09:30 bis 15:15 Uhr. Angesprochen sind Architekten, Handwerksbetriebe, Fachplaner und interessierte Bürgerinnen und Bürger.
Weitere Informationen zur Wohnberatung im Landkreis Emsland unter www.emsland.de/wohnberatung. Kostenfreie Sprechstunden finden statt in Geeste (Rathaus Dalum, letzter Donnerstag im Monat, 09:00 bis 11:00 Uhr) und in Meppen (Kreativhaus, 4. Donnerstag im Monat, 14:30 bis 16:30 Uhr).

